Vorwort

Nach der Reaktorkatastrophe in Japan wird in Deutschland die Frage nach der weiteren Nutzung der Atomkraft wieder neu diskutiert. Aber in den letzten Monaten und Jahren sind auch die denkbaren Alternativen in Medien und Öffentlichkeit immer wieder kritisch hinterfragt worden. Zum Jahresanfang 2009 führte der Gasstreit zwischen Russland und Ukraine zu Bedenken hinsichtlich der Versorgungssicherheit bei Erdgas. Pläne für neue Kohlekraftwerke haben zu Bürgerprotesten zum Beispiel in Datteln am Rande des Ruhrgebiets und in Ensdorf im Saarland geführt. Aber auch Windenergie wird nicht kritiklos hingenommen, Manfred Fischedieck vom Wuppertal Institut hat 200 Bürgerinitiativen gegen Windenergie allein in NRW gezählt. Und bei den blauschimmernden Solarzellen, die auf immer mehr Dächern zu sehen sind, hat die Diskussion im Sommer und Herbst 2010 verdeutlicht, dass kaum eine Stromproduktion so teuer ist und dass dies sich auch zunehmend in der Stromrechnung jedes einzelnen Bürgers niederschlägt.

Zukunft der Stromerzeugung

Wie kann es da mit der Stromerzeugung weitergehen? Keiner von uns hat eine Kristallkugel, aus der sich die Zukunft ablesen lässt. Aber wir am Lehrstuhl für Energiewirtschaft der Universität Duisburg-Essen haben über die vergangenen Jahre hinweg Szenarien zur Zukunft der Stromwirtschaft entwickelt, die die Bandbreite möglicher Entwicklungen aufzeigen. Diese Szenarien und die dazugehörigen Modelle sind in Projekten für die EU und in Kooperationen mit Stadtwerken und anderen Akteuren aus der Energiewirtschaft entwickelt worden. Sie sind ursprünglich für die Entscheidungsunterstützung bei anstehenden Investitionen konzipiert worden. Denn egal ob in Biogasanlagen oder Kohlekraftwerke investiert wird und ob ein großer Konzern oder ein kleines Stadtwerk investiert, Veränderungen der Energiepreise und der Energiepolitik können die Wirtschaftlichkeit der langfristig angelegten Investitionen stark beeinflussen.

Unser Beitrag zur aktuellen Diskussion

Im Angesicht der gegenwärtigen Ereignisse haben wir uns zu einer Aktualisierung der Szenarien entschlossen. Und wir haben uns entschieden, sie hier auf diesen Seiten als Beitrag zur aktuellen Diskussion zu veröffentlichen. Die Szenarien können die anstehenden Entscheidungen nicht ersetzen. Aber sie können hoffentlich zu einer sachlichen Diskussion beitragen, indem sie einige Auswirkungen und Wechselwirkungen verdeutlichen. Wir haben uns bemüht, in die Szenarien nach bestem Wissen und Gewissen unsere aktuellen Einschätzungen einfließen zu lassen – möglichst unabhängig von unseren persönlichen Einstellungen und Überzeugungen. Aber auch wir lernen immer wieder dazu. Daher freuen wir uns über (konstruktiv kritische) Kommentare, Fragen und Anregungen. Sie können Ihren virtuellen Rundgang mit einer Einleitung in die zukünftigen energiewirtschaftlichen Herausforderungen starten.

Ihr Prof. Christoph Weber

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